Unser cineastischer Ausblick

Ausblick auf das Kinojahr 2020

Ein Kinojahr geht zu Ende. Seine Hits und Flops werden bald Fernsehstoff sein, manche danach nur noch Geschichte, aber unser Blick geht nach vorn: Was wartet 2020 auf uns? Welche Sensationen werfen ihre Schatten voraus, auf welche Filme dürfen, sollten, müssen wir uns freuen?

Um euch nicht zu überfüttern, konzentrieren wir uns auf die großen  Schlachtschiffe, Blockbuster made in Hollywood, die jetzt oder bald schon angepriesen und angetrailert werden.

Ein Trend im neuen Kinojahr bleibt, er ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Bewährte Goldesel werden in Hollywood durchgefüttert und am Leben erhalten. Soll heißen: Fortsetzungen und Comic-Filme sind nicht auszurotten. Folgend einige Beispiele…

Neues aus dem Hause Marvel

Die Marvel-Studios, seit 2009 eine Tochter von Disney, konnten 2019 mit „Avengers: Endgame“ den erfolgreichsten Film aller Zeiten landen. Zehn weitere Kinowerke aus dem expandierenden Marvel-Universum sind angekündigt, allerdings nur zwei für 2020.

Mit „Black Widow“ (Start am 30. April) hat nun auch Scarlett Johansson ihren eigenen Film. Da es zeitlich hinter „Endgame“ zurückgeht, kann auch Robert Downey Jr. als Tony Stark dabei sein. Mal sehen, wer sich sonst die Ehre gibt, Marvels Helden-Olymp ist bevölkerter denn je.

Black Widow Screenshot
Scarlett Johansson wird auch im „Black Widow“-Film wieder die Rolle der Natascha Romanoff spielen. // Screenshot: The Walt Disney Company

Und bekommt zudem auch noch Nachwuchs, wenn die Comic-Schmiede im November eine frische Truppe ins Kino schickt, die uns womöglich über den Ausstand der Avengers hinwegtröstet: Die „Eternals“ heißen sie, sie sind eine Spezies von Übermenschen. Herangezüchtet von Außerirdischen haben die Eternals ein fest definiertes Jobprofil: Sie beschützen die Erde, ist doch klar.

An Star-Power wird es den Beschützern nicht mangeln: Salma Hayek und Angelina Jolie sollen dabei sein, dazu Kit „Jon Schnee“ Harrington und Richard Madden, die ihren „Game Of Thrones“-Ruhm auf der Leinwand versilbern. Wo Marvel mit neuen Comic-Streifen geizt, springen andere gern in die Lücke.

DC Comics setzt auf Frauenpower

Am 6. Februar startet „Birds Of Prey“, eine Produktion von Marvels Rivalen DC Comics, die ebenfalls am Ausbau ihres Helden-Pantheons werkeln. Der Untertitel „The Emancipation of Harley Quinn“ verweist aber auf eine alte Bekannte, die ebenso süße wie durchgeknallte Gespielin des Jokers aus „Suicide Squad“, gespielt von der hinreißenden Margot Robbie.

„Birds of Prey“ scheint ein Film im Zeichen von Girlie-Power zu sein. Regisseurin (Cathy Yan) und Autorin (Christina Hodson) sind weiblich, Robbie fungiert auch als Produzentin und soll im Ringen mit dem Studio eine durchaus feminine, ironische Duftnote generiert haben. Jedenfalls spielen in Harley Quinns Team nur Frauen, während Ewan McGregor als „Black Mask“ deren Widersacher gibt.

Wonder Woman 1984
„Wonder Woman 1984“ verspricht eine Zeitreise in die schrillen 80er Jahre. Auch in der Fortsetzung des DC Comics spielt Gal Gadot wieder die Amazone Diana Prince. // Foto: Warner Bros. Entertainment

Eine feminine Note lässt sich auch der aparten Gal Gadot in ihrer Rolle als „Wonder Woman“ nicht absprechen, die DC im Juni nächsten Jahres auf unsere Leinwände bringt. Wenn man weiß, dass der Film „Wonder Woman 1984“ heißen wird, weckt das Hoffnungen – auf eine fröhliche Zeitreise in die 80er Jahre, die Dekade der schrillen Frisuren, schrecklichen Moden und der scharfen Musik. Im Trailer pumpt immerhin schon mal der Beat von „Blue Monday“. Da liegt die Gelegenheit zu einer Stil-Extravaganza zwischen schön und schauerlich in der Luft. Damit aber Schluss mit den Comicfilmen, gibt es denn  nichts anderes?

„Who the f**k was Pierce Brosnan?“

Doch – Fortsetzungen, Remakes, alte Helden in neuen Filmen. Am 18. Juni startet der neue, der 25. James Bond „No Time To Die“. Erst ließ er verlauten, er stehe wohl nicht zur Verfügung, sein letztes 007-Abenteuer schien den Abschied auch vorzubereiten. Aber dann gab Daniel Craig doch wieder den smarten Harten mit der Lizenz als Killer und Ladykiller. Wie überzeugend soundsoviel Millionen Gage doch sein können. Was Bond genau treiben wird (im Rahmen des Eliminierens von Schurken und Gefahren) ist nicht bekannt.

Eher schon, dass Danny Boyle das Regiezepter an Cary Fukunaga übergeben musste, den ersten Amerikaner auf diesem Posten. Rami Malek (der Freddie Mercury aus „Bohemian Rhapsody“) spielt den bösen Buben, Aston Martin darf 007 mit schönen Autos versorgen. Möge Craig einen würdigen Abschied erleben, er hat der Figur einiges an Schmiss, Biss und Körperlichkeit zurückgegeben, who the f**k was Pierce Brosnan?

Die Geisterjäger sind zurück

Noch einmal in den Dunstkreis der 80er-Jahre: Wo „Ghostbusters“ (1984) und „Ghostbusters 2“ (1989) Kinohits waren, die noch heute ihre Fans haben. Eine  Variante mit weiblichen Geisterjägern wurde 2016 an der Kinokasse abgestraft, angeblich fordern Die-Hard-Fans des Originals seit längerem die Rückkehr der alten Besetzung in einem neuen Kinostück.

Ghostbusters Screenshot
Die alte Garde aus den ersten beiden Teilen ist fast vollständig wieder mit an Bord bei der dritten Fortsetzung. Lediglich Harold Ramis (l.) ist leider bereits verstorben. // Foto: Columbia Pictures

Okay, manchmal ist Filmfreunds Wunsch Hollywood ein Befehl: Am 13. August startet „Ghostbusters 3“. Alles dabei, was noch nicht gestorben ist: Knautschgesicht Bill Murray, Dan Akroyd, Ernie Hudson, Sigourney Weaver. Nur Harold Ramis (mit Akroyd auch Autor der alten Streifen) hat leider schon das Zeitliche gesegnet. Dieses Mal bricht das Paranormale in einem Kaff in Oklahoma in unsere Welt, wo der Enkel eines früheren Geisterjägers in Opas Hinterlassenschaften kramt. Ob der Schleimer von damals Auferstehung feiert, wissen wir nicht…

Teufelsflieger Maverick hebt wieder ab

Tom Cruise kann einen  Kinohit zur Auferstehung gut gebrauchen, obwohl er sich mit „Jack Reacher“ einigermaßen schlug am Box Office. Warum nicht zurück zur Rolle, die seinen Durchbruch markierte?  Hallo Teufelsflieger, Maverick ist wieder da!

Was hören wir im Trailer zu „Top Gun 2“: „Seit über 30 Jahren in der Navy! Medaille für Kampfeinsätze! Der einzige, der in den letzten 40 Jahren drei feindliche Maschinen abgeschossen hat!“ – Was, nur drei? Egal, Maverick, der junge Cruise und „Top Gun“ sind Ikonen, an die der neue Film sich heranwanzt, ob elegant oder nicht, wissen wir nach dem 16. Juli.

Alles wie gehabt in den bisher verfügbaren Szenen: Tom Cruise in der Lederjacke mit Aufnähern, Tom Cruise auf dem Motorrad, Tom Cruise im Cockpit. Ob der neue „Top Gun“ ein plumper Rekrutierungsfilm wie das Original von 1986 ist, wird man sehen.

Denis Villeneuves „Star Wars für Erwachsene“

Schon wieder die 80er als Referenzpunkt einer Neuverfilmung: Denis Villeneuve, (nach „Blade Runner 2049“ durchaus erfahren mit kultigen Stoffen) verfilmt Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“, Nichtlesern epischer Science Fiction sicher durch die Kinoversion von David Lynch (1984) ein Begriff.

Dune Der Wüstenplanet
Denis Villeneuve verfilmt Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“. Der Screenshot zeigt eine Szene aus der Verfilmung von David Lynch (1984). // Foto: Universal Pictures

Mit seinem Start zu Weihnachten 2020 (19.12.) blockt „Dune“ den Termin, den „Star Wars“ sonst reserviert hatte, und ein „Star Wars für Erwachsene“ soll Villeneuve seinen Film auch genannt haben. Der Inhalt soll nah an Frank Herbert sein (was immer das auch meint), alle Details sind schrecklich geheim. Dann wünschen wir uns was: Mehr Sandwürmer und weniger Blabla als bei Lynch!

Mulan und Martial Arts-Meister Jet Li 

Kommen wir nochmal zu Disney, Tausendsassa und größter Player der Traumfabrik: „Pixar“ (eine weitere Disneytochter) beschert uns am 5. März die Animation „Onward“, wo die Mythenwelt von Zwergen, Einhörnern und Nixen auf die schnöde Wirklichkeit der amerikanischen Vorstadt trifft.

Mit „Mulan“ recycelt Disney nach „Dumbo“ oder „König der Löwen“erneut einen Trickfilm-Klassiker, der nun zum Realfilm wird. Start ist am 26. März, gesungen wird wohl nicht. Martial Arts-Legende Jet Li ist dabei, der nicht singt, aber Leuten formvollendet in den Hintern tritt.

Hitler-Groteske und Musik-Legende

Bereits gesehen haben wir drei Filme, die im Januar anlaufen und eine Empfehlung wert sind: Am 16. startet Sam Mendes‘ „1917“, der einen Kriegstag im Leben eines britischen Soldaten und „Frontschweins“ reportiert. Hart, ergreifend, realistisch, gedreht mit rastloser Steadycam, gefühlt ohne jeden Schnitt. Meisterlich!

Hermine Huntgeburth lässt uns Udo hochleben, dem sie per Spielfilm in seiner frühen Phase durch Gronau und St. Pauli folgt: „Lindenberg! Mach Dein Ding!“ kommt am 16. Januar ins Kino, hat seine Qualitäten als Zeitporträt und Sittenbild, und mit Jan Bülow einen prima Udo-Darsteller.

JoJo Rabbit“ (ab 23. Januar) gefällt als köstliche Nazi-Farce aus den USA: Ein deutscher Pimpf, der den Führer stets an seiner Seite sieht, entdeckt im Wandversteck – huch, eine Jüdin! Nazis und Rassenwahn werden in Grund und Boden gelacht. Wer die Hitler-Groteske „Er ist wieder da“ mochte, wird auf seine Kosten kommen. KUB

 

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