Newcomer & alte Hasen – Das Department

Amin Oussar (l.) und Marvin Litwak (r.)/ Foto: Christian Bohnenkamp
Das Department Gründer Amin Oussar (l.) und Marvin Litwak (r.) / Foto: Christian Bohnenkamp

Eine bewegende Geschichte, ein eingeschworenes Team und eine ausschlaggebende Idee in den Höhen des Himalajas führten zur Entstehung von Das Department.

Das Department ist eine Filmproduktionsfirma in Dortmund, welche im Jahr 2013 von dem Regisseur Marvin Litwak und dem Kameramann Amin Oussar gegründet wurde. Das Unternehmen umfasst momentan fünf feste Mitarbeiter.

Wir fragen warum ausgerechnet Dortmund? Es entsteht in Dortmund gerade ein gut ausgebautes Netzwerk für Filmer. Durch die Anlage einiger Filmschulen wie z.B. FH-Dortmund, WAM und der Ruhrakademie in Schwerte (an welcher Litwak selbst studierte) sowie die Ansiedlung von Kameraverleihern, Lichtverleihern und immer mehr Filmproduktionen, entsteht ein immer größeres Netzwerk, welches Dortmund mehr in den Fokus rücken lässt.” 

Marken wie z.B „About You, s.Oliver und Pumavertrauen auf die Arbeit von Das Department. Der Regisseur erzählt uns von einem Puma”-Spot in Verbindung mit dem „BVB.

Schmelzer, Reus, Weidenfeller und Weigl. Die Spieler hatten nur 90 Minuten Zeit.”        

Diesmal jedoch nicht für einen Sieg, sondern einen Dreh. Eine ungewöhnliche Aufgabe für den Regisseur, der sonst 10-stündige Drehtage mit Schauspielern, anstatt Fußballtalenten gewohnt ist. Ich war sehr aufgeregt, da es eine besondere Herausforderung war.“ Litwak erinnert sich zurück an einen sehr entspannten Weidenfeller, einen noch relativ jungen Weigl und an einen zwar kurzen, jedoch sehr angenehmen Drehtag mit den vier Fußballprofis. 

Rund 150 Projekte füllen die Liste der erfolgreich abgeschlossen Projekte von Das Department. Beabsichtigt ist, sie unter anderem mit einer szenisch-fiktionalen Gangster-Komödie, welche im Ruhrgebiet sowie in Dortmund spielt, weiterzuführen. Ein bisschen in Richtung Bang Boom Bang in der Neuzeit.”  

Für die Weiterentwicklung ihres eigenen Filmwissens und um die Bedeutung von Filmen, ohne nebenseitige Handynutzung oder andere Ablenkungen wiederzubeleben nutzt Das Department unter anderem auch Mittel wie Filmabende. Verschiedene Filme werden anhand von Oberthemen ausgewählt, vorgestellt, zusammen angeschaut und anschließend gemeinsam analysiert.  

Ich habe damals mit 15-16 Jahren durch einen Freund gelernt, was es heißt Cineast zu sein und das Film nicht nur Unterhaltung ist. Film kann Poesie sein, ganz, ganz viel Drama, Emotion sein! Mich mitreißen, auch wenn gar nichts passiert.” Als wir Das Department nach ihrem bisher größten Projekt fragen, erzählen sie uns von Pawo”.

PAWO” bedeutet Held. Genau das hat Regisseur Marvin Litwak in dieser Geschichte gesehen. Eine heldenhafte Geschichte. Die eine Bühne verdient.

Ein junger Tibeter namens Jamphel Yeshi, der sich anhand der tibetischen Krise selbst anzündete und durch die Straßen Delhis lief. Eine Geschichte, die Litwak fesselt. Es gibt keinen Film über Tibeter im Exil und gerade diese Protestwelle der Tibeter, […]  sich selbst zu verbrennen als ein Zeichen des Protests, habe ich einfach sofort für ein sehr wichtiges Thema gehalten”, begründet Litwak seine Entscheidung, diese Geschichte zu verfilmen. 

Hauptdarsteller Tenzin Gyaltsen auf einem der Filmplakate / Foto: Amin Oussar
Hauptdarsteller Shavo Dorjee auf einem der Filmplakate / Foto: Amin Oussar

Von fehlenden Drehgenehmigungen, Bergabstiegen im Dunkeln, über schmale Gänge neben steilen Abhängen und der Hoffnung keinem Bären zu begegnen, bis zu mehreren Auseinandersetzungen mit der örtlichen Polizei war alles dabei. Auch die Höhenkrankheit des Regisseurs führte dazu, dass die ganzen Puffertage schon vor dem eigentlichem Drehbeginn dafür benötigt wurden, um Fieber-Träume und Grippe seitens Litwaks auszukurieren. Das wir am Ende wirklich alle heil da rausgekommen sind und den Film geschafft haben, war tatsächlich irgendwo ein Wunder”, fügt Litwak an, als er die Frage nach grenzwertigen Momenten beantwortet.   

Die wahrscheinlich erschreckendste Szene des ganzen Filmes, […] dieser Moment, als er sich mit Benzin überschüttet hat, war extrem, weil einige Tibeter aus unseren Reihen, die auch damals während des Protestes vor Ort waren, in Tränen ausgebrochen sind […]. Gerade diese Momente seien laut Litwak die gewesen, in denen man wieder gemerkt hat, dass man das Richtige tut. Dass es wichtig ist, diese Geschichte zu erzählen.  

Ich habe auf Jamphels Matratze gesessen. […] Alles war noch so, wie er es verlassen hat” 

Als Litwak von seinem Besuch bei Jamphel Yeshis Cousin Tsering Logya erzählt, wird deutlich, dass dieser von einer inneren Zerrissenheit begleitet wird. Einerseits das Verständnis für Jamphels Tat und dafür, dass er jetzt ein Held ist, andererseits die Liebe und Sehnsucht nach Jamphel, der dafür gegangen ist. Aber Logya sei auch dankbar dafür, dass es noch weitergeht”. Dafür, dass Jamphels Opfer nicht einfach vergessen wird. Er hat es für Tibet getan.”  

Litwak berichtet von der Hilfsbereitschaft und Offenheit, mit der er von den Tibetern empfangen wurde und einer grundlegend positiven, jedoch sehr emotionalen Resonanz. Das Tibet Film Festival diente als Ort der Premiere und stellte aufgrund der Anwesenheit vieler Tibeter sowie dem tibetischen Ministerpräsidenten den perfekten Ort für die Erstaufführung dar.

Neben all den Krisen, welche die Medien beherrschen ist es Litwak und Oussar wichtig, auch die tibetische Flagge nochmal hochzuhalten. Zu zeigen, dass ein Konflikt, der aus den Medien verschwindet, nicht gelöst ist, nur weil niemand mehr darüber berichtet. 

Filmszene: Hauptdarsteller Shavo Dorjee mit tibetischer Flagge/ Foto: Amin Oussar
Filmszene: Hauptdarsteller Shavo Dorjee mit tibetischer Flagge / Foto: Amin Oussar

Würdest du lieber…  

Würdest du lieber berühmt sein, während du lebendig bist, aber nach deinem Tod vergessen oder unbekannt zu Lebzeiten, aber berühmt nach deinem Tod?  

  • „Unbekannt zu Lebzeiten – Ich bin nicht so jemand, der gerne irgendwie im Fokus steht, wenn das nach mir ist, ist das alles okay. Dann ist es cool, dann ist man halt legendär.”

Würdest du lieber nie wieder soziale Medien/Apps benutzen oder nie wieder einen Film oder eine Serie gucken? 

  • „Nie wieder soziale Medien oder Apps benutzen! Ich würde nicht auf Film und Serie verzichten, nur dafür, dass mir nachts um 11 Uhr irgendwelche Leute was schreiben oder schicken können.”

Würdest du lieber nie wieder ein Touchscreen benutzen oder nie wieder Tastatur und Maus?  

  • Ich bin ja noch als Zocker-Kind groß geworden, mit Tastatur und Maus, also „WASD”… schwere Frage… jetzt klinge ich vielleicht alt, aber ich würde lieber auf ein Touchscreen verzichten, als auf Tastatur und Maus.

 

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