Komödienperlen made in Germany

Die Darsteller des Films "Der Junge muss an die frische Luft" am Rande des Drehs in Oberhausen / Foto: Kai-Uwe Brinkmann
Die Darsteller des Films „Der Junge muss an die frische Luft“ am Rande des Drehs in Oberhausen. Foto: Kai-Uwe Brinkmann

Land in Sicht für die deutsche Filmkomödie! Nach einer Ewigkeit der gefühlten Schweiger/Schweighöfer-Dominanz gab es in dieser Kinosaison endlich wieder freche, witzige, rührende Filme, die für frischen Wind sorgen und das Genre beleben. Einige laufen beim PSD-Kinofestival im Westfalenpark. Und wir sprechen nicht von „Fack Ju Göhte“, der die Regentschaft der Herren Schweiger und Schweighöfer hoffentlich endgültig beendet hat.

Nein, die Rede ist von Humor-Perlen wie „25 km/h“, „Der Vorname“, „Sweethearts“, „Die Goldfische“ und „Der Junge muss an die frische Luft“, letzterer eine Gratwanderung zwischen Tragik und Komik. Filme, die einem den Glauben zurückgeben, dass im Komödienfach mehr geht als das peinlich bemühte Gewitzel eines Til Schweiger. Der zuletzt mit „Klassentreffen 1.0“ anödete und unbeirrt an seiner Masche weiterstrickt.

Eine Masche, die von Matthias Schweighöfer („Schlussmacher“, „Der Nanny“) kopiert wurde: Hanebüchene Story, grobmotorischer Humor, Klamauk verquirlt mit einer Dosis Romantik, dazu ein Soundtrack aus hymnisch jauchzender Popmusik. Und der Regisseur in der Rolle des Schwerenöters, lieb, aber unverstanden. Laaangweilig.

Auf zu gutem Humor made in Germany…

Auf zu den oben genannten Streifen, von denen drei beim PSD-Kinofestival zu sehen sind: Markus Gollers „25 km/h“, Caroline Links Hape Kerkeling-Bio „Der Junge muss an die frische Luft“, Sönke Wortmanns „Der Vorname“.

Markus Goller erzählt ein Roadmovie mit zwei Brüdern, die nach Jahren der Trennung und der Funkstille zur Beerdigung des Vaters aufeinandertreffen. Erst gibt es Zoff, dann Alkohol, und in Schnapslaune starten die Brüder zu einer Tour, die sie als 16-Jährige planten: Mit der Zündapp vom Schwarzwald ans Meer! Spontan und jetzt. Klingt nicht sonderlich originell, die Idee, sie nimmt aber trotz Tempo 25 mehr und mehr Fahrt auf. Dazu muss man wissen, dass Lars Eidinger und Bjarne Mädel sich als Traumbesetzung mit toller Chemie entpuppen.

Als Ü-40-Mofarocker entdecken sie die Leichtigkeit des Seins. Tonfall und Dialoge bleiben stimmig. Die Wirklichkeit wird nicht verbogen, der Witz ist nicht übergestülpt, sondern wächst aus Begegnungen und Situationen. Sandra Hüller, Alexandra Maria Lara, Franka Potente und Jella Haase spielen kleine Rollen, Wotan Wilke Möhring ist als Tischtennis-Gott vom Campingplatz zu sehen. Ein Film, der gute Laune macht, und das ist nicht wenig. Zu sehen im PSD Bank Kino am Donnerstag, 18. Juli.

Balance zwischen Tragik und Humor: Die Kerkeling-Biografie

Caroline Link stand bei ihrer Verfilmung der Kerkeling-Erinnerungen „Der Junge muss an die frische Luft“ vor dem Problem, dass das zentrale Ereignis in Hapes Jugend der Selbstmord seiner Mutter war. Wie schafft man es, dass der Film über Klein-Hape kein Trauerkloß wird? Wie die Mischung aus Tragik und Humor anrühren, damit die Pole sich nicht gegenseitig lähmen?

Hape Kerkeling (r.) und Julius Weckauf (l.) stehen auf dem Teppich der Essener Lichtburg / Foto: Kai-Uwe Brinkmann
Hape Kerkeling (r.) und Julius Weckauf (l.) stehen auf dem Teppich der Essener Lichtburg. Foto: Kai-Uwe Brinkmann

Link meistert die Sache souverän und sensibel, indem sie der Depression Raum gibt (der der Mutter und später Hapes), aber gleichzeitig ein Sicherheitsnetz beschreibt, das „Familie“ heißt: Immer sind da Tanten, Onkel, Omas, Opas um den Jungen, die mit der kumpelhaft pragmatischen Warmherzigkeit des Ruhrpotts das Kind und den Zuschauer aufmuntern. Kerkeling kommt schließlich aus Oberhausen. Joachim Krôl spielt mit, Luise Heyer gewann für die Darstellung der Mutter einen deutschen Filmpreis.

Und dann ist da Julius Weckauf als pummeliger Hape, gecastet aus hunderten Kandidaten – eine Wucht! Der Bursche spielt so drollig, so köstlich altklug und gewitzt, dass man kichert und einem dabei fast Tränen kommen. Jawohl, Julius ist Hape, der kleine Wohnzimmer-Comedian, der die Verwandtschaft unterhält und alle zum Lachen bringt, auch die Mama.

Ein Film aus Tagen, wo Dieter Thomas Heck mit der „ZDF-Hitparade“ den Samstag regierte, und deutscher Schlager König war: Gefühlsecht, schön gespielt, mit einem geglückten Spagat zwischen Kummer und Spaß an der Freud. Läuft im PSD Bank Kino am Sonntag, 4. August.

Ein Junge namens Adolf…

Mit „Der Vorname“ bringt Sönke Wortmann ein Verbal-Scharmützel auf die Leinwand, das in manchen Momenten den Biss von Yasmina Rezas Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ hat, auch das schon verfilmt. „Der Vorname“ geht auf einen Film aus Frankreich zurück, der wiederum ein Bühnenwerk adaptiert, aber egal. Die Gemüter am Familientisch werden hitzig, als Thomas (Florian David Fitz) den lieben Verwandten eröffnet, dass sein ungeborener Sohn Adolf heißen wird.

Filmszene aus der deutschen Komödie "Der Vorname". Auf dem Bild zu sehen sind die Schauspieler Christoph Maria Herbst (r.), Caroline Peters (l.), Justus von Dohnányi (2.v.r.), Florian David Fitz (2.v.l.). Foto: Constantin Film Verleih
Filmszene aus der deutschen Komödie „Der Vorname“. Auf dem Bild zu sehen sind die Schauspieler Christoph Maria Herbst (r.), Caroline Peters (l.), Justus von Dohnányi (2.v.r.), Florian David Fitz (2.v.l.). Foto: Constantin Film Verleih

Der Schwager (Christoph Maria Herbst) ist völlig von den Socken und geht auf die Barrikaden. Ein Adolf in der Familie? Nicht mit mir! Die Lage eskaliert. Gemeinheiten werden ausgetauscht, das dünne Furnier von Höflichkeit und Benehmen reißt auf, darunter wird es schön hässlich.

Ein Fest für Schauspieler. Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Janina Uhse laufen ebenfalls zu großer Form auf. Auf der Leinwand des PSD Bank Kinos  läuft dieser Film am Donnerstag, 15. August.

Dritter Film von Karoline Herfurth

„Die Goldfische“ von Regisseur Alireza Golafshan und Karoline Herfurths „Sweethearts“ empfehlen wir euch für den DVD-Abend, nur soviel dazu: Golafshan ist ein Newcomer mit beachtlichem Komödientalent: Er schickt Tom Schilling (nach Unfall im Rollstuhl) in die Reha, wo er eine Truppe von Behinderten dreist nach Zürich lotst, um sein Schließfach zu leeren. Geld spielt keine Rolex! Situationskomik vom Feinsten, Darsteller, die mitreißen: Jella Haase, Birgit Minichmayr, Axel Stein, Kida Khodr Ramadan.

Eine hysterische Zitterbacke (Herfurth) wird von einer Ganovin (Hannah Herzsprung) entführt und klebt an ihr wie eine Klette. Ein ähnliches Thema wie „Die Filzlaus“ (Frankreich, 1973) und Billy Wilders Remake „Buddy, Buddy“ von 1981: Tumult um eine Geisel, die partout nicht gehen will. Zwei Weibsbilder, die völlig verschieden sind, raufen sich zusammen. Es gibt keine Schenkelklopfer, der Witz wird methodisch unterspielt, und funkelt umso schöner.

Filmszene aus dem Film "Sweethearts" mit Schauspielerin Karoline Herfurth. Foto: Hellinger / Doll Filmproduktion GmbH
Filmszene aus dem Film „Sweethearts“ mit Schauspielerin Karoline Herfurth (l.) und Hannah Herzsprung (r.). Foto: Filmstarts.de

Wer Elyas M’Barek aus „Fack Ju Göhte“ im ernsten Fach sehen will, nämlich in einem Gerichtsdrama nach Ferdinand von Schirach, der komme am Freitag, 23. August, in den Westfalenpark. Dann läuft „Der Fall Collini“, mit M’Barek als jungem Strafverteidiger.

Park, Leinwand und ein Sommer voller Filme: Da ist für jeden etwas dabei. KUB

 

Ein Gedanke zu „Komödienperlen made in Germany“

  1. Hört sich gut an. Macht Lust auf mehr. 25 km/h ist bestimmt was für mich. Hatte in meiner Jugend auch ein Mofa, bin aber nur zum Baggersee gefahren, nicht ans Meer. Glaube den Film schau ich mir an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.