Fortsetzungen – Fluch und Segen

Foto einer Szene aus dem neuen Deadpool-Film – In Teil 2 formiert Deadpool ein Team aus Superhelden. Foto: Schlomberg

Je mehr in Hollywood die Filmbudgets durch die Decke gehen, desto größer das Risiko und der mögliche Abschreibungsverlust. Blockbuster-Etats von 150 Millionen Dollar und mehr (plus Werbung in Kostenhöhe europäischer Großproduktionen), sind keine Seltenheit in der Traumfabrik. Es steht viel auf dem Spiel. Auch wenn das Cross-Marketing mit DVD-Auswertung, Bezahlfernsehen etc. manches abpuffert: Sollte der Streifen im Kino floppen, können in der Führungsetage der Studios Köpfe rollen. Die Angst spielt immer mit bei Filmbossen, die sich zu verantworten haben gegenüber Anlegern und großen Mutterkonzernen.

Wo kaufmännisch gedacht wird, garantieren Spin-Offs, Sequels, Prequels eine gewisse Risikominimierung. Der Kinogänger bekommt mit der Fortsetzung eine vertraute Marke, Gesichter, Figuren, Sujets, die er kennt. Die Herausforderung für Drehbuchschreiber und Regisseure liegt eben darin, an Altes anzuknüpfen und gleichzeitig die Lust auf Neues zu befriedigen.

Beim PSD Bank Kino im Westfalenpark gibt es neben anderen Highlights auch Fortsetzungsfilme zu sehen, die den Spagat zwischen alt und neu gut gemeistert haben: „Avengers – Infinity War“, „Deadpool 2“, „Solo: A Star Wars Story“, „Ocean’s Eight“ und „Fack Ju Göhte 3“.

Zwischen Slapstick und Hanswurstelei

Fack Ju Göhte“ hatte beweisen, dass das Sujet des High School-Schwanks auch in Deutschland funktioniert. Der Film knüpft an eine Traditionslinie an, die von der „Feuerzangenbowle“ bis zu 60er und 70er-Jahre-Klamotten führt („Zur Hölle mit den Paukern“, „Die Lümmel von der ersten Bank“). Elyas M’Barek wurde durch „Göhte“ zum Star, Jella Haase feierte ihren großen Durchbruch.

Er ist der Aushilfslehrer Zecki Müller, sie die lustlos pampige, lustvoll proletenhafte Göre Chantal. Haases Geheimwaffe ist ihr abschätzig hochgezogener Mundwinkel, der sie herrlich bescheuert aussehen lässt. Okay, der dritte Teil ist mehr oder minder eine Nummernrevue derber Scherze zwischen Slapstick und Hanswurstelei, aber eben auch mit amüsanten Episoden. Man gebe sich einen Ruck, senke die Erwartung ans Niveau, sage laut und deutlich Ja zu Doofheit und Klamauk – und wird am Ende viel Spaß haben mit den Dumpfbacken von Schülern und einem Pauker, der es gut mit ihnen meint.

Fortsetzung sogar besser

Wüstem Klamauk mit der Brechstange hatten sich auch die Macher des Comic-Streifens „Deadpool“ verschrieben und tischten uns eine Ironie-triefende Persiflage des Superhelden-Genres auf, die so selbstverliebt, siegessicher und prahlerisch daherkam, dass sie uns auf den Wecker ging. Teil 2, wieder mit Ryan Reynolds in der Titelrolle, macht das besser. Vielleicht, weil der Film sein Licht ein wenig unter den Scheffel stellt und nicht in jeder Szene „Bin ich toll?“ fragt. Optisch fackelt Regisseur David Leitch („John Wick“) ein Action-Feuerwerk ab, sein unkaputtbarer Held hat diverse Leben, ob er nun verschmaucht oder in Einzelteile zerlegt wird. Die Handlung wimmelt vor popkulturellen Zitaten und Verweisen, mit Josh Brolin gibt es einen Bösewicht von Format, und der alte Comic-Kniff vom „Round Up“ eines Heldenteams beschert „Deadpool 2“ Auftritte weiterer Mutanten mit speziellen Fähigkeiten, die auch mal den Stab übernehmen, während der Chef wartet, dass ihm neue Beine wachsen.

Überhaupt darf man erstaunt sein, dass der Superhelden-Film immer noch schöne Früchte treibt, obwohl er seit Jahren Hollywoods Goldesel vom Dienst ist. Manchmal verrennt sich Marvel (zum Disney-Stall gehörend) im „Schneller, höher, lauter“, dann verunglücken die Action-Dramen zur bloßen Materialschlacht. „Avengers – Infinity War“ setzt zwar auf bewährte Muster, kombiniert die Bausteine des Genres aber ziemlich raffiniert und wird so zu einem der besseren Blockbuster.

Da ist die kosmische Bedrohung durch einen Superschurken (wieder mal Josh Brolin, am Rechner „eingelesen“). Der geht auf Schnitzeljagd nach Artefakten, die Kontrolle über das Universum versprechen. Bekommt der Titan die Infinity-Steine, hat er gottgleiche Macht. Nur eine Liga von Helden kann ihn aufhalten, und deren Liste wird zum Who is who der Marvel-Streiter: Iron Man, Dr. Strange, Captain America, Thor sind dabei, um nur die prominentesten zu nennen. Jeder bringt Charakter, Macken und Vorgeschichte mit. Parallele Handlungsstränge sind gut verzahnt, der Film greift Motive früherer Marvel-Streifen auf und spannt einen Bogen, der einen ganzen Erzählkosmos zusammenführt.

Ein Leben als Franchise

Weil man die Lizenz zum Gelddrucken witterte, hat Disney auch die profitabelste  aller Film-Marken, nämlich „Star Wars“, erworben und George Lucas vier Milliarden Dollar überwiesen. Seitdem führt die Saga ein Leben als Franchise, das uns jedes Jahr ein neues Abenteuer beschert. Oder erstmals auch zwei, als mit „Solo: A Star Wars Story“ ein halbes Jahr nach dem letzten schon ein neues Abenteuer in die Kinos kam.

Foto einer Szene aus dem neuen Star Wars-Film – In diesem Teil wird die Geschichte von Weltraum-Schmuggler Han Solo erzählt. Foto: Schlomberg

An der Kasse war der Film eine Enttäuschung. Es gab viel Genörgel und Erklärungsversuche, die etwa Hauptdarsteller Alden Ehrenreich verantwortlich machten. Der verströme die Energie eines Faultiers, hörte man. Ach ja? Papperlapapp: Mal ehrlich, wann haben wir einen Star Wars-Film seiner schauspielerischen Leistungen wegen besucht? Gerade im allerersten Film von 1977 wird grottenschlecht gespielt, von Harrison Ford, von Mark Hamill und Carrie Fisher. War das wichtig, hat das irgendjemanden gejuckt?

Der wahrscheinlichere Grund für den Flop von „Solo“ ist wohl eher die Übersättigung der Fangemeinde, die es nicht gewohnt ist, so schnell mit neuem Stoff gefüttert zu werden. Denn eigentlich bietet der Film ein motivisches Potpourri aus allem, was Star Wars ausmacht. Planeten-Panoramen, Kreaturen, tolle Tricks, barocke Ausstattung. Sonderlich inspiriert oder gar visionär mag das nicht sein, aber es gibt keinen Grund, den Film zu verdammen. Er ist und bleibt eine Space Opera, die das Auge glänzend unterhält. Dass sie für den Kopf nicht viel abwirft, kann man verschmerzen. Na und? Schon George Lucas hat mehr den Bauch und den Sehnerv adressiert als das Hirn, das scheinen manche vergessen zu haben.

Coups mit Revue-Charakter

Kommen wir zu „Ocean’s Eight“, der lockeren Fortsetzung der Gaunerkomödien, die Steven Soderbergh 2001 aus der Taufe hob. Das waren Rififi-Filme von polierter Eleganz, mit erlesenen Ensembles rund um George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon und wie sie alle hießen. Schurken  mit Stil hecken den perfekten Raubzug aus – in „Ocean’s Eight“ sind es Schurkinnen. Sandra Bullock hat die Hosen an, sie trommelt Cate Blanchett, Rihanna, Helena Bonham Carter und weitere Damen zusammen, um eine Spendengala ins Visier zu nehmen, wo Klunker im Wert vieler Millionen warten. Am Anfang sehen wir Bullock (als Debbie Ocean, Clooneys Schwester), wie sie im Knast die Zerknirschte gibt und ein Leben in Langeweile gelobt.

Kaum auf freiem Fuß zeigt Debbie eine kriminelle Energie, die atemberaubend ist. Und lustig. Planung und Durchführung des großen Coups haben Revue-Charakter. Viele Rädchen greifen ineinander. Die Ladies sind so etwas von ausgeschlafen, die Security im Museum hat keine Chance. Gute Kamera, exquisite Musik, ein Star-Ensemble. Bestimmt nicht die Neuerfindung der Ganovenkomödie. Vielleicht auch nur die Wiederholung einer Erfolgsformel, dieses Mal mit Frauen. Aber allemal gut geschmierte Sommer-Unterhaltung aus Hollywood. KUB

 

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