Filmdrehort Dortmund – Teil I

Dortmund: Dieses Dronenbild zeigt den schönen Westfalenpark von oben/ Foto: Lukas Naasz
Das Drohnenbild zeigt den schönen Westfalenpark von oben. Auch hier wurden schon Szenen für den ein oder anderen Film gedreht. Foto: Lukas Naasz

Welchen Pulsschlag, welchen Charakter, welche Art von Seele hat eine Stadt? Und was davon lässt sich im Medium Film transportieren? Nur ihre Architektur und Wahrzeichen oder auch ihr Menschenschlag, dessen Sprache und Eigenheiten?

Man kann nicht sagen, dass Dortmund so abfotografiert und tot-gefilmt ist wie etwa Berlin, wo in Dutzenden von Kinowerken irgendwann der Panoramablick mit dem Fernsehturm auftaucht. Dort ist die Filmerei längst Teil eines Hauptstadt-Marketings, das seit Jahrzehnten das Image der pulsierenden, hippen Party-Metropole in die Welt posaunt.

Aber welches Bild von Dortmund geht eigentlich in die Welt?

Schauen wir an dieser Stelle doch mal auf diverse Kinofilme (wohlgemerkt nicht auf Fernsehkost wie den „Tatort“ oder die WDR- Serie „Phoenixsee“), um herauszufinden, was Filmemacher an Dortmund bemerkenswert finden.

Schnell landet man beim Fußball und beim BVB, der Posten auf der Dortmunder Agenda, der den alten Dreiklang Stahl, Kohle, Bier abgelöst hat. Adolf Winkelmann hat mit 1993 mit „Nordkurve“ einen seiner schlechtesten Filme gemacht, eine komödiantisch gemeinte Krimi-Satire im Kicker-Milieu, die belegt, dass Winkelmann und sein Autor von Fußball keinen Schimmer haben…

Groteske Zerrbilder rund um einen Verein namens „Union 86“, mit grölenden Saufköppen als Fans, Piet Klocke als fast debilem Faktotum, Stefan Jürgens als Chef-Hooligan. Auf dem Westenhellweg pöbeln die Union-Fans Passanten an, im Stadion setzen sie den Imbisswagen in Brand. Ärgerlich plumpe Klischees, Humor, der nicht zündet, übelst verbogene Wirklichkeit. Im Kino ein Flop, gerade mal 20.000 Zuschauer.

Übungen zwischen Baggerteilen

Sympathischer ist da schon Sherry Hormanns „Männer wie wir“ (2004): Schwule Fußballer aus Dortmund trainieren an einer Halde und machen Übungen zwischen Baggerteilen. Da ist Ironie im Spiel, gleichzeitig verbreitet der Film aber das Bild einer Stadt von fotogener Schäbigkeit.

Filmszene aus dem Film „Männer wie wir" mit Schauspieler Maximilian Brückner (vorne l.) / Foto: Screenshot
Filmszene aus dem Film „Männer wie wir“ mit Schauspieler Maximilian Brückner (vorne l.) / Foto: Screenshot

Timon Modersohns „Spielmacher“ ist eine Fußball-Geschichte von 2018, zu Teilen im Dortmunder Stadion und im Fußballmuseum gedreht. Nichts wirkt schäbig, der Film beschreibt die glamouröse Seite des Fußballgeschäfts, von der ein junges Kickertalent (Matteo Wansing Lorrio) sich magisch angezogen fühlt: Geld und Ruhm winken. Doch ein alter Hase (Frederick Lau) warnt den Jungen vor halbseidenen Geschäftemachern einer Wettmafia, für die er bloß eine Schachfigur ist.

Lau und Lorrio fachsimpeln auf der Tribüne des BVB, im Fußballmuseum bestaunen sie die Exponate und küren ihre persönlichen größten Fußballer aller Zeiten. Der Film spiegelt auch die Transformation ehemaliger „Malocher-Vereine“ zu international agierenden Unternehmen, beschreibt den Spielermarkt als Haifischbecken. Und er erzählt von den Schattenseiten des Fußballs, von Betrügern, Spiel-Manipulationen und den Verlockungen schnellen Geldes. Der BVB konkret ist nicht gemeint, aber Dortmund liefert die Kulisse für eine Kickerballade nahe am Drama.

Die Rolle der Nordstadt

Damit genug von der Fußball-Stadt Dortmund. Die hat auch anderes zu bieten, Film-Schauplätze wie die Nordstadt. Der gebürtige Lüner Michael Kupczyk hat „Nordstadt“ 2004 zum Titel eines Films gemacht. Der junge Maik hat für den Einbruch in eine Tankstelle gesessen und kommt auf Bewährung frei. Bald arbeitet er für einen Hehler und transportiert geschmuggelte Zigaretten.

Die Handlung ist klar verortet: „Du fährst zur Bornstraße und dann über die Mallinckrodt!“ Der Wagen nimmt den Kreisel am Borsigplatz, steuert Hafen und Lagerhausstraße an. Das Café Erdmann im Westpark ist im Bild. Das Sozialgefälle der Stadt liefert den Hintergrund für ein Krimistück mit viel Lokalkolorit.

Ebenfalls in der Nordstadt zuhause ist das Sozialdrama „Marija“ (2016), für das Regisseur Michael Koch (ein Schweizer) ausgiebig am Nordmarkt recherchierte. Wochenlang quartierte sich der Filmemacher nahe des Nordmarktes ein. Er besuchte türkische Cafés, sah Tagelöhner an der Mallinckrodtstraße auf Arbeit warten und hatte die Situation bulgarischer Roma vor Augen.

Deprimierende Realität durchzieht Film

Daraus destillierte Koch die Geschichte der ukrainischen Glückssucherin Marija (Margarita Breitkreiz), die sich im Dortmunder Norden durchschlagen muss. Pralle, deprimierende Realität durchzieht den Film. Vermieter beuten Mieter aus, Arbeitgeber ihre Tagelöhner. Marija ist nicht auf den Kopf gefallen, mehrsprachig und ziemlich abgebrüht.

Zäh verfolgt sie ihren Traum von eigenen Frisiersalon, und wenn sie dafür einen windigen Geschäftsmann übers Ohr hauen muss, dann tut sie es. Ein absolut sehenswerter Spielfilm von semi-dokumentarischer Qualität. Er beschönigt nichts und zeigt einen Daseinskampf, wie er in der Nordstadt wirklich stattfindet.

Filmszene aus dem Film „Marija“ mit Schauspielerin Margarita Breitkreiz (m.) Foto: Screenshot
Filmszene aus dem Film „Marija“ mit Schauspielerin Margarita Breitkreiz (m.) Foto: Screenshot

Dortmund als Hintergrundkulisse

Almut Getto erwähnt in „Fickende Fische“ (2002) zwar nie die Ortsmarke Dortmund, hat aber ebenfalls in der Stadt gedreht. Schwenks zeigen den Florian, das Harenberg-Haus, Reinoldi- und Petrikirche. Ein Liebespaar trifft sich am heutigen Bergmann-Kiosk, am Hafenamt, im Blücherpark, das Mädel wohnt in der Evert-, früher Scharnhorststraße. Dortmunder wissen Bescheid, für Auswärtige ist es irgendeine Stadt, die sich nur in den Autokennzeichen zu erkennen gibt.

Auch Regisseurin Lola Randl nutzte für „Die Libelle und das Nashorn“ (2012) Dortmund eher als Hintergrundfolie. Ihr Kammerspiel wurde weitgehend im überladenen Interieur des Unique-Hotels am westlichen Wall gedreht. Fritzi Haberlandt und Mario Adorf plaudern im „Balke“, der Bar an der Hohen Straße, und spazieren in Sichtweite des U-Turms, wo Adolf Winkelmanns „Fliegende Bilder“ zu sehen sind.

„Oh Fortuna“ – Liebeserklärung an Dortmund

Mit kessen Sprüchen, schrägen Typen, einem lustig bekloppten Krimi-Plot und dem Charme des amateurhaft Unperfekten punktet die Dortmunder Heimatkomödie „Oh Fortuna“, Dauerbrenner beim PSD Bank Kino im Westfalenpark. Johannes Klais bringt Gesichter aus dem Dortmunder Nachtleben vor die Kamera, die mit Schlabberhose und engen T-Shirts so abgerockt daherkommen wie die Drehorte seines Films.

Der ist ein Insider-Jux, eine Liebeserklärung an Dortmund, aber eben durch die Blume. Man lobt das Pilsbier, verdammt das Kölsch, der Ton klingt authentisch: „Und wat is nu mit die Kaline?“ Der Autostrich liegt „hinterm Hornbach“, zum Geiselaustausch trifft man sich in Deusen am Kanal. KUB

 

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